Mittwoch, 17. Juli 2013

Kann ich das überhaupt schaffen – zumindest theoretisch?



Kann ich das überhaupt schaffen – zumindest theoretisch?

Du kannst alles werden, was du willst! Ach, tatsächlich?

Ich sehe dieses Klischee eines kleinen, amerikanischen Jungen vor mir, der vor seiner Schulklasse steht und am Ende seines Referates über die Großartigkeit seiner Nation freudestrahlend verkündet: „Ich kann alles werden, was ich will. Sogar Präsident der vereinigten Staaten.“

Die Szene stammt aus einem Film, der mir jetzt leider nicht einfallen will (Cineasten vor – schreibt es mir!). Dieser Satz geht ursprünglich wahrscheinlich auf eine Mutter zurück, die ihrem Sohn, der später Richter am Supreme Court wurde, genau diesen Satz immer wieder eingebläut hatte. Zumindest findet man diese Info bei Wikipedia.
Nun: Präsident ist dieser Junge nicht geworden. Dafür einer der obersten Richter der vereinigten Staaten – und ein verbiestertes Arschlosch, wie kolportiert wird (ebenfalls frei nach Wikipedia – siehe vorgenannter Artikel).

Was lehrt uns das? Glaube und Anstrengung kann bis zu einem gewissen Maß Berge versetzen. Wunder sind aber nicht zu erwarten. Besteht man dennoch darauf, wird man zumindest nicht glücklich. Will sagen: Bleibt realistisch, Leute! Ladet euch eure To-Do und To-Learn Listen nicht gleich zu Anfang mit zehn Fremdsprachen (natürlich verhandlungssicher), höherer Algebra und einem Dreifach-Triathlon voll.
Das zu erreichen, mag durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Für irgendjemanden. Die Frage muss aber immer lauten. Ist das für MICH zu schaffen?
Gute Frage. Finden wir es heraus:

Da ich ja neben meinem Hauptberuf auch als freischaffender Autor unterwegs bin, stellt sich mir natürlich die Frage, wie produktiv ich eigentlich sein könnte. Konkret möchte ich künftig mein Veröffentlichungstempo deutlich steigern. Ich habe mir nämlich sagen lassen, dass man als Autor möglichst zehn Titel am Start haben sollte, um ein nennenswertes Einkommen zu erzielen (Ausnahmen mal außen vor gelassen).
Ich habe momentan lausige drei eigene Titel auf dem Markt. Sollte sich jemand die Mühe machen, mein Autorenprofil bei Amazon zu suchen: Die beiden Anthologien zähle ich nicht dazu. Hier bin ich nur Herausgeber. Ich habe einen Roman und einen Band mit zwei Kurzgeschichten unter diesem Namen (René Junge) draußen. Der dritte Titel ist unter Pseudonym erschienen. Viel Spaß bei der Recherche ;)
Wann kann ich also realistischerweise damit rechnen, die magischen zehn Titel veröffentlicht zu haben? 

Momentan stellt es sich so dar, dass ich wochentags auf jeden Fall, egal was passiert, eine Seite schreiben kann. Von mehr gehe ich erst einmal nicht aus. Das Worst Case Szenario ist für mich an dieser Stelle das beste, denn es vermindert die Chance, dass ich durch ein verfehltes Ziel frustriert werde.
OK: Nach Abzug von Wochenenden, Urlaub und statistisch wahrscheinlichen zehn Krankheitstagen bleiben rund 220 Tage im Jahr zum Schreiben. Das heißt, ich kann 220 Seiten schreiben.
Das ergibt einen mittleren Roman, oder zwei Kurzgeschichten-Sammlungen. Im besten Fall also zwei Veröffentlichungen pro Jahr.

Da mein nächsten Buch, eine Sammlung von Horror-Short-Storys im August erscheinen wird, nehme ich mal den 01.09.2013 als Stichtag. An dem Tag werde ich vier Titel am Markt haben, so dass mir noch sechs fehlen.
Wenn ich nur noch Kurzgeschichten-Bände schreibe, hätte ich das Ziel also in drei Jahren, am 01.09.2016 erreicht. Dann bin ich 43 Jahre alt. OK, damit könnte man leben. Schreibe ich nur noch Romane, würde es doppelt so lange dauern.
Werden wir mal mutiger. Wenn ich eine Seite am Tag schaffe, warum nicht auch zwei? Dann hätte ich mein Ziel in 1,5, bzw. 3 Jahren erreicht.

Schnell mal Realitätscheck: Ich benötige für eine Normseite als reine Schreibzeit fünfzehn Minuten. Natürlich muss eine Geschichte vorher auch geplant werden (der Fachmann spricht hier von „Plotten“), Fakten müssen recherchiert werden und Lektorat, Coverdesign und so weiter fressen auch noch Zeit. Auf die einzelne Seite runtergebrochen bedeutet das einen Zeitaufwand von ca. 45 Minuten (ich habe mir tatsächlich mal die Mühe gemacht, das zu kalkulieren, aber diese Kalkulation ist laaaaangweilig und trifft auch nur auf mich und meine Bücher zu).

Damit wären wir bei einem Zeitaufwand von 90 Minuten pro Werktag. Meine ganz persönliche Zeitanalyse ergibt, dass das machbar ist. Allerdings ist das auch nicht weiter steigerbar, ohne dass ich andere Dinge sträflich vernachlässigen würde.
Durch ein wenig Nachdenken und Rechnen habe ich also herausgefunden, dass es für mich realistischerweise noch bis zu drei Jahre dauern wird, bis ich zehn Bücher im Handel habe und die Chance, ein vernünftiges Einkommen damit zu erwirtschaften. Realistisch heißt hier „Auf jeden Fall“!

Natürlich werde ich von jetzt an alles dafür tun, mein Leben immer noch ein wenig schreib-kompatibler zu machen. Von eben diesen Versuchen werde ich künftig an dieser Stelle ausführlich berichten.
Wie Ihr selbst Euer Zeitbudget realistisch einschätzen könnt, soll in diesem Artikel ausdrücklich nicht das Thema sein. Ich werde aber in späteren Artikeln genügend Methoden, Formblätter , etc. vorstellen, um auch Euch zu ermöglichen, Euer Leben in die eigenen Hände zu nehmen, statt immer nur von den Ereignissen getrieben zu werden.

Bis dahin empfehle ich bei akutem Bedürftnis nach solchen Methoden den Blog von Sven Huff 

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