Donnerstag, 1. August 2013

Autos interessieren mich nicht – oder doch?



Autos interessieren mich nicht – oder doch?

Der andere Blick in die Zeitung

Wenn ich gefragt werde, wofür ich mich denn so interessiere, dann antworte ich meist: „Och, für gaaaanz viele Dinge. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll.“ Das glaube ich erstens tatsächlich von mir (oder habe das bisher geglaubt) und lässt einen zweitens auch irgendwie gut aussehen. Menschen mit vielfältigen Interessen hält man ja landläufig selbst für interessant. Klar, dass man zu diesem erlauchten Kreis dazugehören möchte.

Aber leider, leider bleibt von dieser Behauptung nicht mehr viel übrig, wenn man die Frage mal umgekehrt gestellt bekommt. Wofür interessierst du dich überhaupt nicht? Denn jetzt geht es los: Theater, Ballett, klassische Musik, Gender-Forschung, Mathematik, Betriebswirtschaft, Jura, alles mit Technik, Autos, etc., etc. Die Liste könnte ich beliebig fortsetzen. Im Gegenzug eine Liste gleich vieler Interessensschwerpunkte aufzuzählen, wäre mir unmöglich. Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich ein Banause in Bezug auf die allermeisten Dingen bin, die man sich nur vorstellen kann.

Worin äußert sich dieses Desinteresse im Alltag? Bei mir in der Art und Weise, wie ich Zeitung lese (ja, Online-Ausgaben von Spiegel, Zeit, Bild, usw. zählen auch). Dort mache ich regelmäßig einen Bogen um die Klatsch-Berichte, den Kulturteil und um Auto und Verkehr (gibt es in irgendeiner Form in fast jeder Zeitung) – mindestens.

Da beginnt man sich doch zu fragen, warum einen diese Themen nicht interessieren. Ich meine, wenn ich nie etwas über ein Thema lese, weil ich es meide, wie der Teufel das Weihwasser, dann kann ich doch eigentlich gar nicht wissen, ob es daran nicht doch etwas geben könnte, das ich spannend fände. Ich jedenfalls habe mich das neulich mal gefragt und beschlossen, einen Artikel zu lesen, den ich sonst nie, unter keinen Umständen und nicht mal im Suff angesehen hätte. Meine Wahl fiel in der Hamburger Morgenpost auf einen Bericht aus der Rubrik „Motor“.
Allein das Wort Motor verursacht schon Pickel bei mir. Ich verstehe nicht, wie die Dinger funktionieren und bin froh, dass sie normalerweise gut unter der Motorhaube versteckt sind, ohne mich mit ihrer Existenz zu behelligen. Weniger Desinteresse geht also kaum.

Kurzer Einschub für alle, die jetzt mit einem Fragezeichen im Gesicht da sitzen und sich fragen, warum zur Hölle ich mich jetzt auf Krampf mit etwas befassen will, was mich nicht die Bohne interessiert: Im tiefsten Innern bin ich davon überzeugt, dass es eigentlich nichts gibt, was nicht in irgendeiner Weise interessant ist. Ich glaube auch, dass mein persönliches Desinteresse gegenüber vielen Dingen auch ganz gut als Arroganz und Faulheit gewertet werden kann. Vor Allem aber schreibe ich Geschichten, und Autoren, davon bin ich überzeugt, sollten lieber mehr über die Welt wissen, als weniger.
Ich las dann also diesen Artikel. Drei neue Modelle wurden dort vorgestellt. Ich weiß nur noch, dass es eine Limousine, ein Kombi und eine Art Van waren. Marke und Modell? Keine Ahnung. Aber hängen geblieben sind doch ein paar Sachen: Ich weiß jetzt, dass ein durchschnittlicher Kofferraum in einem normalen Auto so um die 400 Liter fasst und der eines Kombis ab ca. 600 Liter (mit umgeklappter Rückbank sogar bis über 1.000 Liter). Außerdem habe ich jetzt eine Ahnung, worum es geht, wenn jemand das Wort Stufenheck erwähnt. 

Also Bingo: Zwei Dinge, die ich vorher nicht wusste und die mich vorher auch nie interessiert hatten. Ich habe das auch nicht willentlich auswendig gelernt, sondern einfach nur behalten, was mein Gehirn geneigt war, von sich aus abzuspeichern. Wie interessant ich diese neuen Informationen jetzt finde? Na ja, mein Leben werden sie sicher nicht verändern, aber definitiv meine Sicht auf die Welt. Das hört sich jetzt etwas hochtrabend an, ist klar. Aber dennoch: Da ich jetzt weiß (oder ich zu wissen glaube), wie ein durchschnittliches Stufenheck aussieht, sehe ich auf der Straße plötzlich jede Menge Autos, die so ein Heck haben.

Vorher hätte ich vermutlich nur gedacht: Ach guck an. Ein Auto. Wenn ich es denn überhaupt wahrgenommen hätte. Jetzt kann ich immerhin denken: Jessas, schon wieder eine Stufenheck-Limousine. Muss irgendwo ein Nest sein. Abwechslungsreicher ist mein Alltag dadurch also schon geworden. Hat sich doch gelohnt.
Mal sehen, vielleicht lese ich morgen mal eine Theaterkritik ;)

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