Das ist kein gewöhnlicher Autorenblog. In erster Linie berichte ich hier nicht über meine Bücher oder über das Schreiben an sich, sondern darüber, wie ich mein Leben so einrichte, dass es mir möglich ist, Bücher zu schreiben. Selbstorganisation, Kreativitätstechniken, Lernmethoden, Zeitmanagement, Lebensführung und vieles mehr werden hier behandelt. Dies ist meine Reise. Ich lade Euch ein, mich zu begleiten.
Mittwoch, 7. August 2013
Sonntag, 4. August 2013
Ich lerne endlich wieder. Was für ein Gefühl!
Ich lerne endlich wieder. Was für ein Gefühl!
Neues Wissen an jedem einzelnen Tag
Heute gibt es einen Zwischenbericht zu meinem ersten
Lernprojekt, das ich in meinem Artikel „Wunschliste Lernprojekte Teil 1“ definiert
habe.
Wie ich mich und meine Begeisterungsfähigkeit so kannte,
hatte ich eigentlich erwartet, dass es zunächst ein paar Tage ganz gut laufen
und dann allmählich einschlafen würde. Doch was soll ich sagen? Es läuft und
läuft wie ein Länderspiel! Ich nutze tatsächlich jeden einzelnen Tag mindestens
einmal meine Brainscape-App (siehe
vorgenannter Artikel) und mache unaufhörlich Fortschritte.
Das selbst gesetzte Ziel von sieben neuen Vokabeln pro Tag
schaffe ich mühelos. An guten Tagen sind es bis zu dreißig. Das
Zettelkastenprinzip mit seinen gehirngerechten Wiederholungsintervallen
funktioniert tadellos.
Natürlich ist das hauptsächlich der konsequenten Nutzung
meiner zur Verfügung stehenden Zeiten zu verdanken. Wie ich die Zeit zum Lernen
freigeschaufelt habe, könnt ihr in meinem Beitrag „Mini-Pausen identifizierenund nutzen“ nachlesen.
Um die englische Sprache möglichst gut zu lernen, mache ich
mir dabei die Mühe, bis zu zwölf Bedeutungen einer Vokabel zu lernen, statt nur
der gängigsten. Das ist auch absolut notwendig, denn der Wortschatz des
Englischen ist für die nuancenreiche deutsche Sprache manchmal nicht ausreichend.
Ein guten Beispiel ist das Verb „to emerge“. Das kann im Deutschen so
unterschiedliche Bedeutungen haben wie erscheinen, auftauchen, auftreten,
heraustreten, hervorkommen, sich entwickeln, entstehen, schlüpfen, sich
ergeben, usw. Welche Bedeutung im jeweiligen Kontext eines Textes gemeint ist,
kann man nur dann herausfinden, wenn man alle möglichen Bedeutungen kennt.
Teilweise habe ich damit begonnen, solche langen
Bedeutungslisten mit einfachen, mnemotechnischen Tricks zu lernen. Stark
vereinfacht gesagt, geht es bei der Mnemotechnik darum, Informationen in
geistigen Bildern zu codieren. Bilder merkt sich das Gehirn um ein vielfaches
besser, als abstrakte Informationen wie Wörter oder Zahlen. Zu einem tieferen
Einstieg in die Mnemotechnik werde ich in späteren Artikeln noch kommen.
Momentan steige ich selbst erst in diese Thematik ein.
Nur so viel: Eine Liste von bis zu 45 beliebigen Dingen kann
ich mir bereits jetzt mühelos einprägen und fehlerlos wiedergeben. Um das zu
lernen, habe ich nur zwei Tage benötigt. Es lohnt sich also wirklich, sich mit
Mnemotechnik zu befassen.
Eine weniger strukturierte Art, sozusagen Mnemotechnik
light, wende ich momentan wie gesagt bei einigen Vokabeln an. Um beim Beispiel
des Verbs „to emerge zu bleiben:
Für jede Bedeutung visualisiere ich ein kleines Bild. „Auftauchen“
wird bei mir z.B. zu dem Bild eines Tauchers, der gerade die Wasseroberfläche
durchbricht. Für „erscheinen“ stelle ich mir eine weiß gekleidete Gestalt vor,
die sich aus dem Nichts materialisiert. Um es nicht mit „auftauchen“ zu
verwechseln, scheint diese Gestalt in hellem Licht. „Schlüpfen“ wiederum wird
natürlich als Küken, das aus dem Ei schlüpft vorgestellt und bei „sich ergeben“
denke ich an einen Soldaten, der mit erhobenen Händen aus einem Schützengraben
kommt. Ihr seht das Prinzip? Klingt seltsam, stimmt´s? Nun, da unser Gehirn
offenbar seltsame Eindrücke liebt, ist es mir vollkommen egal, ob ihr glaubt,
ich sei beknackt oder nicht.
Mnemotechnik hat einfach viel zu viel Potenzial, um sich
nicht damit zu befassen. Vielleicht hat jemand von Euch ja auch schon
Erfahrungen damit gesammelt. Dann würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr mir
davon berichten würdet.
P.S. Hier könnt Ihr Euch in meinen Autoren-Newsletter eintragen. Ich halte Euch über neue Buch-Veröffentlichungen auf dem Laufenden.
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Donnerstag, 1. August 2013
Autos interessieren mich nicht – oder doch?
Autos interessieren mich nicht – oder doch?
Der andere Blick in die Zeitung
Wenn ich gefragt werde, wofür ich mich denn so interessiere,
dann antworte ich meist: „Och, für gaaaanz viele Dinge. Ich wüsste gar nicht,
wo ich anfangen soll.“ Das glaube ich erstens tatsächlich von mir (oder habe
das bisher geglaubt) und lässt einen zweitens auch irgendwie gut aussehen.
Menschen mit vielfältigen Interessen hält man ja landläufig selbst für
interessant. Klar, dass man zu diesem erlauchten Kreis dazugehören möchte.
Aber leider, leider bleibt von dieser Behauptung nicht mehr
viel übrig, wenn man die Frage mal umgekehrt gestellt bekommt. Wofür
interessierst du dich überhaupt nicht? Denn jetzt geht es los: Theater,
Ballett, klassische Musik, Gender-Forschung, Mathematik, Betriebswirtschaft,
Jura, alles mit Technik, Autos, etc., etc. Die Liste könnte ich beliebig
fortsetzen. Im Gegenzug eine Liste gleich vieler Interessensschwerpunkte
aufzuzählen, wäre mir unmöglich. Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich ein
Banause in Bezug auf die allermeisten Dingen bin, die man sich nur vorstellen
kann.
Worin äußert sich dieses Desinteresse im Alltag? Bei mir in
der Art und Weise, wie ich Zeitung lese (ja, Online-Ausgaben von Spiegel, Zeit,
Bild, usw. zählen auch). Dort mache ich regelmäßig einen Bogen um die
Klatsch-Berichte, den Kulturteil und um Auto und Verkehr (gibt es in
irgendeiner Form in fast jeder Zeitung) – mindestens.
Da beginnt man sich doch zu fragen, warum einen diese Themen
nicht interessieren. Ich meine, wenn ich nie etwas über ein Thema lese, weil
ich es meide, wie der Teufel das Weihwasser, dann kann ich doch eigentlich gar
nicht wissen, ob es daran nicht doch etwas geben könnte, das ich spannend
fände. Ich jedenfalls habe mich das neulich mal gefragt und beschlossen, einen
Artikel zu lesen, den ich sonst nie, unter keinen Umständen und nicht mal im
Suff angesehen hätte. Meine Wahl fiel in der Hamburger Morgenpost auf einen
Bericht aus der Rubrik „Motor“.
Allein das Wort Motor verursacht schon Pickel bei mir. Ich
verstehe nicht, wie die Dinger funktionieren und bin froh, dass sie
normalerweise gut unter der Motorhaube versteckt sind, ohne mich mit ihrer
Existenz zu behelligen. Weniger Desinteresse geht also kaum.
Kurzer Einschub für alle, die jetzt mit einem Fragezeichen
im Gesicht da sitzen und sich fragen, warum zur Hölle ich mich jetzt auf Krampf
mit etwas befassen will, was mich nicht die Bohne interessiert: Im tiefsten
Innern bin ich davon überzeugt, dass es eigentlich nichts gibt, was nicht in
irgendeiner Weise interessant ist. Ich glaube auch, dass mein persönliches
Desinteresse gegenüber vielen Dingen auch ganz gut als Arroganz und Faulheit
gewertet werden kann. Vor Allem aber schreibe ich Geschichten, und Autoren,
davon bin ich überzeugt, sollten lieber mehr über die Welt wissen, als weniger.
Ich las dann also diesen Artikel. Drei neue Modelle wurden
dort vorgestellt. Ich weiß nur noch, dass es eine Limousine, ein Kombi und eine
Art Van waren. Marke und Modell? Keine Ahnung. Aber hängen geblieben sind doch
ein paar Sachen: Ich weiß jetzt, dass ein durchschnittlicher Kofferraum in
einem normalen Auto so um die 400 Liter fasst und der eines Kombis ab ca. 600
Liter (mit umgeklappter Rückbank sogar bis über 1.000 Liter). Außerdem habe ich
jetzt eine Ahnung, worum es geht, wenn jemand das Wort Stufenheck erwähnt.
Also Bingo: Zwei Dinge, die ich vorher nicht wusste und die
mich vorher auch nie interessiert hatten. Ich habe das auch nicht willentlich
auswendig gelernt, sondern einfach nur behalten, was mein Gehirn geneigt war,
von sich aus abzuspeichern. Wie interessant ich diese neuen Informationen jetzt
finde? Na ja, mein Leben werden sie sicher nicht verändern, aber definitiv
meine Sicht auf die Welt. Das hört sich jetzt etwas hochtrabend an, ist klar.
Aber dennoch: Da ich jetzt weiß (oder ich zu wissen glaube), wie ein
durchschnittliches Stufenheck aussieht, sehe ich auf der Straße plötzlich jede
Menge Autos, die so ein Heck haben.
Vorher hätte ich vermutlich nur gedacht: Ach guck an. Ein
Auto. Wenn ich es denn überhaupt wahrgenommen hätte. Jetzt kann ich immerhin
denken: Jessas, schon wieder eine Stufenheck-Limousine. Muss irgendwo ein Nest
sein. Abwechslungsreicher ist mein Alltag dadurch also schon geworden. Hat sich
doch gelohnt.
Mal sehen, vielleicht lese ich morgen mal eine Theaterkritik
;)
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